Street Art - Naskool

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NASKOOL


The Viennese Street Artist NASKOOL is best known for his photorealistic works that can be seen on exterior facades as well as canvases. Over the years he has perfected his Graffoto style, a term he coined meaning photorealistic Graffiti art. His works full of detail and his dexterity with the spray can have generated high enthusiasm on an international scale. His designs not only appear in public, but also in offices, clubs, on tarpaulins and metal sheets. Besides graffiti, painting with oil and drawing with the pencil are other techniques NASKOOL has mastered.

NASKOOL lives and works in Vienna, Austria.


Interview mit NASKOOL

 

KK: Du hast eine hochstehende technisch-künstlerische Qualität, wo/wie hast DU Dein Handwerkszeug erlernt?

Naskool: Durch zwei Freunde, die schon länger gesprüht haben. Ich habe viel geübt bevor ich auf die Straße gegangen bin. Ich wollte nicht als totaler Anfänger in der Szene starten. Im Garten bei mir Zuhause habe ich viel auf Holzspanplatten geübt. Viel üben hilft da am besten. Ich habe mich auch viel mir der Anatomie beschäftigt. Auch durch meinen beruflichen Werdegang, durch meine Ausbildung zur medizinisch-technischen Fachkraft. Man muss den Aufbau der Knochen und Muskel kennen, um zu wissen, wie Farben und Flächen zusammenspielen.

KK: All das ging autodidaktisch?

Naskool: Ja, ich habe weder einen Kurs, noch eine schule oder ähnliches dafür besucht.

KK: Und Du hast immer draußen gearbeitet?

Naskool: In der Schule damals sicher auch drinnen. Zeichnen, hat mir auch sehr getaugt. Danach aber eher immer draußen. Erst später kamen meine ersten Bleistiftzeichnungen und dann auch Ölgemälde dazu.

KK: Wie haben deine Arbeiten begonnen?

Naskool: Begonnen habe ich mit 3D Schriftzügen. Ich habe auch immer Hip Hop gehört und auch mit meinen Freunde hat es gut zusammengepasst, deswegen ist es Graffiti geworden. 2004 habe ich dann mein allererstes Graffiti gemacht. Es war irgendwo in der Nacht, mit dem Auto noch beleuchtet, damit wir was sehen konnten.

KK: Ab wann hast Du bildliches zur Schrift dazugestellt, also etwas, das nicht nur die Schrift ist?

Naskool: Ziemlich schnell dann. Drei bis vier Jahre nach meinem ersten Graffiti hat es begonnen. Irgendwann haben mich Buchstaben fadisiert. Immer auch meinen Namen zu schreiben war langweilig, immer ein N malen. Ich habe dann das Interesse daran verloren und verstehe auch Leute nicht, die immer das klassische Graffiti durchziehen.

KK: Was kam dann alternativ?

Naskool: Gesichter, der Mensch, meist aber Porträts. Sobald man das kann, dann kann man auch alles, z.B: auch Motorräder, alles halt.

KK: Also ist Porträtmalerei eine gute Ausbildung für alles andere?

Naskool: JA, genau. Ich bin auf keinen Fall richtig Teil der Graffiti-Scene. Es gibt immer den Unterschied zwischen Leuten die Graffiti als Kunst sehen oder Graffiti bloß als Buchstaben. Meine Kunstform ist nie so in der Szene akzeptiert worden und ich wollte mich auch mehr in der Kunst austoben. Mir ist wichtiger drei Tage an einer Arbeit zu stehen und ein richtig gutes Bild zu malen, als nur 20 Minuten und dann wegzulaufen. Ich möchte lieber qualitative Kunstwerke machen. Vielleicht auch deshalb das Üben im Garten damals, um das Niveau zu bekommen.

KK: Du hast Dich also eher als Künstler gesehen?

Naskool: Ja, damals war das kein Graffiti. Inzwischen kann man ja Street Art sagen. Ja, das war eher meins.

KK: Du hast sehr früh begonnen, ca. 2007-2008, schon Bilder statt Narrative zu machen.

Naskool: Das stimmt. Es gab und gibt relativ wenig realistische Malerei im öffentlichen Raum.

KK: Bist Du dann wegen des künstlerischen Anspruchs auf legale Wände übergegangen?

Naskool: Ja immer. Realismus braucht viel Zeit, das funktioniert nicht illegal.

KK: Wie lange brauchst Du für Deine Arbeiten?

Naskool: Einige Tage, das frustet mich. Aber ich bin nicht mehr so oft da, weil ich sehr viel Aufträge bekomme. Es bleibt kaum mehr Zeit.

KK: Welche Motive machst Du am liebsten?

Naskool: Am liebsten Porträts. Immer echte Menschen, keine Fantasiefiguren.

KK: Wie arbeitest Du?

Naskool: Ich arbeite immer vom Foto weg. Zum Beispiel wenn ich ein Ölbild male, das dauert dann eine Woche.

KK: Wann hast DU mit Ölporträts angefangen?

Naskoool: Ungefähr 2015 bis 2016. Eigentlich erst nach vielen Jahren Arbeit mit der Sprühdose.

KK: Für die Wand draußen, wie entsteht so etwas?

Naskool: Immer am Computer, mit Fotos als Vorlage. Das ist sehr wichtig im Realismus.  Rein aus der Vorstellungskraft und der Erfahrung schafft man nicht den richtigen menschlichen Charakter. Ein Fantasiemensch bleibt immer ein Fantasiebild und auch als solches sichtbar. Zum Beispiel wenn ich ein Porträt mache. Meist nehme ich eine Wand und fotografiere die leere ab. Danach bearbeite ich sie im Photoshop und baue in die Wand z.B. ein Gesicht ein. Aber auch Elemente wie Hintergrund oder Ausstattung des Bildes, Einzelelement werden digital zusammengesetzt. Ist alles zusammengeschnitten, wird es über das Foto gelegt. Dann gehe ich mit dem ausgedruckten A4 Foto zur Wand.

KK: Wie schaffst DU die richtigen Proportionen auf der Wand?

Naskool: Früher wollte ich alles frei Hand machen , aber beim Abmalen dauert es ewig bis die Proportionen passen. Jetzt mache ich es mit einem Raster. Es geht schneller. Ich messe die Wand ab, dann kommt ein Raster entsprechend den Maßen auf ein A4 Blatt und danach kommen die Rasterpunkte (nicht die Querlinien) auf die Wand

KK: Wann hat Du mit Aufträgen begonnen?

Naskool: Vor ca. 4-5 Jahren.

KK: Wie sieht DU die Wiener Street Art Szene?

Naskool: Ich finde die Motivation toll, wie viele rausgehen. Aber leider ist die Qualität oft schwach. Man muss dabei aber natürlich differenzieren zwischen Hobby und Leidenschaft. Aber ich finde einfach rein technisch vom Malerischen das Niveau häufig schwach. Ich investiere schon mein ganzes Leben dafür, beschäftige mich mit Farben, Ölbildern, Anatomie, Tattoos, mit Technik und ich male halt auch sehr viel.

KK: Wie viele Arbeiten entstehen ca. im Jahr?

Naskool: Ich muss schon viel Aufträge malen. Weil ich davon leben muss, kann nicht so viel rausgehen. Aber 20-30 auf jeden Fall draußen.

KK: Und im Atelier?

Naskool: Es ist immer phasenweise. Bilder sind es nicht so viele, aber jetzt grade ein wenig mehr, da mich Öl im Moment so fasziniert. Ich würde sagen 10 Bilder pro Jahr.

KK: Ist das auch saisonabhängig?

Naskool: Nein, das würde ich nicht sagen. Es gibt auch Phasen, das male ich lieber Bilder, z.B auch mal draußen am Balkon. Ich bin auch ganzjährig draußen aktiv. Im Jänner oder Februar vielleicht nicht so sehr, aber sonst auch sehr oft beruflich. Die Dosen funktionieren ja auch nicht immer. Sie sind mit Gas gefüllt und arbeiten nicht so sauber wenn die Temperatur niedrig ist.

KK: Gibt es ein Zentrum für Street Art?

Naskool: Die größte und beste Szene ist in England, die sind da am stärksten.

KK: Gehst Du oft nach England?

Naskool: Ich war immer in Bristol. 300 Künstler beim UpFest, so etwas kann man sich gar nicht bei uns vorstellen. Überall in der Stadt malt jemand. Lokale lassen Garagen bemalen, die Stars der internationalen Szene bekommen riesen Hauswände, auch Stellwände usw. Überall malt jemand. Wenn ich alleine wäre, würde ich auswandern. Amerika ist zurzeit optimal. Ich würde nach Miami oder San Francisco gehen, wir sind halt sehr hinten nach.

KK: Was könnte man für Wien machen?

Naskool: Die Österreicher mehr unterstützen, Calle libre z.B: so viele Ausländer werden unterstützt. Woher kriegt man schon eine Fassade oder all die Gemeindewege. Man müsste so etwas mal ausschreiben. Aber es ist immer schwierig. In anderen Ländern gibt es Veranstaltungen, bei denen zehn Künstler kommen und man kennt immer jemanden. So rennt das ab, es kriegen immer dieselben Leute die Wände. Man muss Geld haben für Materialien. In Wien gibt es auch nicht viele Wände, die zur Verfügung gestellt werden. In England, in Berlin gibt es da viel mehr. Viele Street Art Künstler gehen auch in den Ostblock, dort ist es viel billiger solche Werke zu machen. Zum Beispiel einen Kran zu besorgen. Es müssen gar keine Charaktere oder Porträts sein. Auch am Donaukanal gibt es sehr gute Werke, aber ein Großteil ist einfach Beschmieren. Mein Schwerpunkt liegt auf Details, das gefällt mir einfach.

KK: Warum gibt es nicht mehr Realistische Street Art?

Naskool: Man muss unglaublich viel Zeit da hineinstecken, sehr viel lernen. Das tun sich die wenigsten an. Ich bin noch lange nicht da wo ich sein will. Ich will immer besser werden. Hellnwein ist z.B. ein großes Vorbild für mich. Grad beim Porträt ist Österreich sehr schwach. In Amerika gibt es so viele richtig gute Künstler. Aber wen hat man in Österreich schon, außer Hellnwein. Es dauert halt auch sehr lange, ein Bild zu malen, so wie ich es mache. Mir fehlt hier auch oft das Saubere. In England oder in Deutschland, sind die Werke häufig perfekt ausgearbeitet mit fließenden Übergängen. Hier ist das meistens nachlässig.

KK: Mir fällt keiner ein der im Porträt Deine Qualität hat!

Naskool: Viele verstehen es auch nicht. Die haben die Vorstellungskraft nicht, bauen Schatten falsch ein, technische Fehler. Ich habe mir die Technik über Jahre angeeignet. Viele nehmen einfach nur Weiß oder Grau als Hintergrund. Wer könnte schon eine Landschaft im Hintergrund malen, viele machen nur Comic-Charaktere oder nur Schrift.

KK: Ist es nicht auch leichter?

Naskool: Viele sehen es als gemütliches Hobby und eine Entwicklung über Jahre findet oft nicht statt.

KK: Merkst Du einen Boom in Wien? Mehr Aufträge, mehr Nachfrage?

Naskool: Ich finde schon, dass es mehr wird. Aber viele malen mal hier, mal da oder saufen sich währenddessen an. Ohne wirkliche Ernsthaftigkeit. Wenn ich male, dann gibt`s da keine Pause. Es ist für mich halt keine Freizeitgestaltung. Das war auch der Grund warum ich nicht in de Graffiti-Szene reingerutscht bin. Beschmieren von Zügen, Tags usw. Wie viel illegale Werke mit hoher Qualität gibt es denn? Dabei geht es viel mehr um den Nervenkitzel, Präsenz. Ich sehe es halt nicht aus der Graffit-Sicht, sondern aus der Kunst-Sicht.